Postkästen vor einer Wand mit buntem Graffiti von Pilzen und Pflanzen.

#21

Welcome to Berlin #21

KW 36/2021

Vorhang auf für Berlin! Wussten Sie schon, dass die Hauptstadt gleich vier Opernhäuser hat? Da steht Mailand auf der S(k)ala auf einmal ganz weit unten… Damit und mit noch ein, zwei weiteren wertvollen Tipps für alle Fans des gepflegten Musiktheaters möchten wir uns heute beschäftigen.

Heute fangen wir ganz klein an. Beziehungsweise: für die Kleinen. Das Atze Musiktheater in Berlin Wedding ist Deutschlands größtes Musiktheater speziell für Kinder, das mit seinen liebevollen Produktionen auch deutschlandweit auf Tour geht. Jährlich über 100.000 ZuschauerInnen freuen sich über Inszenierungen wie „Beethoven - Ein Leben“, „Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe“, „Das NEINhorn“ oder „Hans im Glück“ (s. Bild oben, Copyright Foto: Jörg Metzner).

Nun kommen wir auch schon zur größten der vier Berliner Opernhäuser. Die Deutsche Oper in Charlottenburg wurde 1912 eröffnet und im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Ab 1945 verlegte sie daher ihren Spielbetrieb vorübergehend ins Theater des Westens, von welchem wir Ihnen im Frühjahr schon vorgeschwärmt haben. Erst 1961 wurde der Neubau an der Bismarckstraße eröffnet und gibt seitdem Raum für Inszenierungen namhafter RegisseurInnen wie Furtwängler, Karajan oder Karl Böhm. Auch von dem Skandal um die Wiederaufnahme von Mozarts „Idomeneo“ 2006 haben Sie bestimmt gehört: Wegen der abgeschlagenen Prophetenköpfe im letzten Bild stufte das Landeskriminalamt den Abend vorübergehend als terrorgefährdet ein - korrigierte dies jedoch bald wieder. Passiert ist dann auch zum Glück nicht mehr als das auf der Bühne Vorgesehene.

Die Komische Oper sorgt mit viel Abwechslung und modernen Musiktheaterinszenierungen immer wieder für Gesprächsstoff. Zu Beginn seiner Amtszeit 2012 schaffte Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky die alte Tradition ab, generell auf Deutsch zu singen - sehr zu Freuden einiger SängerInnen, die Tschaikowski gerne mal auf Russisch und Verdi hin und wieder auf Italienisch hören. Allen, die trotz mangelnder Simultanübersetzungskenntnisse in einer anderssprachigen Vorstellung den Text verstehen wollen, ist stark geholfen durch Displays an nahezu allen Sitzen, auf denen individuell zwischen deutscher, englischer, französischer oder türkischer Übersetzung gewählt werden kann. Das ist doch mal eine Ansage im Sinne des Mottos der Komischen Oper: „Eine für alle“! Auch eine schöne kleine Sache: der Oper-O-Mat für alle, die noch nicht genau wissen, was sie sich ansehen wollen. (Copyright Fotos: Gunnar Geller)

Die Staatsoper unter den Linden ist Berlins ältestes Opernhaus. 1743 wurde sie für Friedrich den Großen und seinen Hofstaat eröffnet - da machte die Generalsanierung von 2010 bis 2017 bestimmt Sinn. Die Akustik war dann wohl doch nicht mehr ganz zeitgemäß (auch wenn  es natürlich nicht die erste Sanierung war). Hier haben einige bedeutende Uraufführungen stattgefunden: alle Opern von Paul Dessau, „Wozzeck“ von Alban Berg, sowie Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ vor mittlerweile ziemlich genau 200 Jahren und 2 Monaten. Auch heute wird der Spielplan von illustren Namen übersäht: SolistInnen von Anna Netrebko bis Victoria Randem sowie KünstlerInnen und DirigentInnen wie u.a. Ólafur Elíasson, Philipp Stölzl, Kornél Mundruczó, Simon Rattle, Simone Young, oder Emmanuelle Haïm. (Copyright Foto: Staatsoper Unter den Linden / Marcus Ebener).

Nach denkmalgerechter Sanierung eröffnete 2006 der traditionsreiche Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße neu. Schon 1911 fungierte das Haus als Ort für allerlei Vergnügungen, von der Eislaufbahn über diverse Bäder bis hin zum Kino und Revuetheater. Während der Deutschen Teilung war es das Operetten- und Musicaltheater der DDR. Aus diesem Genre sieht man auch heute noch einige Produktionen in diesem schmucken Bespieltheater im Hinterhof, wobei sich auch viele Comedians sowie MusikerInnen und Bands hierher trauen. Was sagten Sie gerade? Sie waren vor zwei Jahren bei der Premiere von „BERLIN, BERLIN“ nicht dabei? Kein Problem. (Copyright Fotos: Admiralspalast / Andreas Meichsner).

Jetzt begeben wir uns so langsam wieder in Richtung Orania.Berlin und unseren Nachbarkiez Neukölln. Die Neuköllner Oper versteht sich seit Ihrer Gründung 1977 als Musiktheater für aktuelle Themen, von den ganz großen Operninszenierungen bis hin zu intimen Kammerstücken. Und das alles immer mit dem Kiez, der Stadt, dem Kontinent, ja der Welt im Hinterkopf. Eine wunderbare Institution „für ein breites Publikum jenseits modischer Nischen“ (Website), die sogar die Ausbildung junger Talente fördert mit dem Jungen Ensemble für alle ab 14 Jahren und dem Neuköllner Oper Kinder Klub für werdende Opernfans ab 6 Jahren. Aktuell gibt es einen besonderen Programmpunkt zu erleben: die Wiederaufnahme von Giovanni. Eine Passion, open air in den Prinzessinnengärten auf dem Neuen St. Jacobi-Friedhof an der Hermannstraße (s. Foto, Copyright: Matthias Heyde). 

Unsere Passion ist Ihnen sicherlich bestens bekannt: Sie zu beherbergen, ob als ÜbernachtungsgastFoodie im BreakfastClub oder MusikliebhaberIn am Abend. Darauf trinken wir! Oder, wie Verdi es in seiner Oper „Otello“ formulierte: „Beva con me“!

TO BE CONTINUED...