Postkästen vor einer Wand mit buntem Graffiti von Pilzen und Pflanzen.

#22

Welcome to Berlin #22

KW 38/2021

Trari trara, der Herbst ist da! Ja, schon klar, darüber freuen sich nicht alle. Aber es ist doch auch immer ein wunderbarer Vorwand, es sich drinnen ein wenig gemütlich zu machen. Wir freuen uns zum Beispiel über unsere atmosphärischen Kaminfeuer, die uns wieder von außen und innen erwärmen. 

Doch bevor wir beginnen noch eine kleine Ankündigung eines ganz besonderen Events. Vom 01. bis zum 07. Oktober nimmt das Orania.Berlin an der Sake Week Berlin teil, der ersten Liveveranstaltung Europas mit dem genussvollen Thema Sake. Es wird ein exklusives 5-Gang-Menü serviert mit Ente (natürlich) und korrespondierendem Sake sowie Aperitif, Wasser, Kaffee und Digestif bei Kaminfeuer in Ihrem Orania.Salon. Die Tickets sind stark begrenzt – aber Sie wissen ja jetzt schon Bescheid und können sich Ihren Platz reservieren (+49 (0)30 695 396 87 80).

Gerade wenn das Wetter nicht mehr unbedingt zu ausladenden Spaziergängen durch die Stadt einlädt, stellt sich noch häufiger die Frage, wie man sich in Berlin am besten fortbewegt. Wir möchten Ihnen heute zeigen, dass es wunderschöne Gründe gibt, dies mit einer Fahrt in der Berliner U-Bahn zu beantworten. Die kann an der ein oder anderen Haltestelle KunstliebhaberInnen zum ungeplanten Ausstieg verführen. 

Doch wir wollen Ihnen jetzt nicht wieder mit der jüngsten Eröffnung des U-Bahnhofs Museumsinsel kommen - davon haben Sie bestimmt schon gehört oder gelesen. Sollten Sie allerdings bald mal museumshungrig sein, lohnt es sich schon mit der Bahn zu kommen. Über 6000 „Sterne“ leuchten auf blauer Farbe am jüngsten Untergrundhimmel über der U5. 

Unsere Fahrt beginnen wir weiter westlich, im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Mit diesen wunderschönen Keramikfliesen stellte Architekt Rainer Rümmler 1978 die abstrahierten Lilien des Wappens des ehemaligen Ortes Wilmersdorf dar.

Ebenso gut gefällt uns der U-Bahnhof Kurfürstenstraße. 1926 eröffnet hat er schon ein paar Jahre mehr hinter sich, was sich leider darin zeigt, dass er bis heute nicht barrierefrei ist. (Kleiner Hinweis für die interessierten Nicht-BerlinerInnen: Ja, die Kurfürstenstraße ist in der Nähe des Kurfürstendamms. Es ist mehr oder weniger eine Parallelstraße.)

Die Deutsche Oper haben Sie ja bereits in unserem letzten Schreiben kennengelernt. Sollten Sie unserer Empfehlung dorthin gefolgt sein, haben Sie dieses untergründige Schmuckstück - nein, das klingt nicht so toll - diesen schmucken Untergrund - okay, wir lassen es gut sein - diese sehr schöne Station bereits kennengelernt. Doch diese sehr schöne Station begleiten mehrere sehr dramatische Geschichten, von einem verheerenden U-Bahn-Brand im Jahre 2000, der zur Neuausrichtung der Sicherheitskonzepte vieler Bahnhöfe führte über die Erschießung Benno Ohnesorgs 1967 an ebendiesem Stationseingang, an die heute noch ein Relief erinnert. 

Als Dank für Deutschlands Hilfe beim sog. Chiado-Brand von Lissabon 1988, schenkte Portugal Berlin 2002 diese wunderschönen Azulejo-Fliesen, die vom Künstler José de Guimaraes gestaltet wurden und hier sogar die sonst üblichen Werbeflächen verdrängen konnten. Ein Stockwerk weiter oben hat er 20 berühmte OpernkomponistInnen als Motive gewählt, was für wunderbare Vorfreude auf bevorstehende Musikabende sorgt.

Weiter nördlich, mit der U7 auf dem Weg nach Spandau, befindet sich unser persönlicher Favorit: die U-Bahn-Station Paulsternstraße.

Eine Fahrt mit der U7 Richtung Rathaus Spandau lohnt sich aber sowieso - siehe oben. Wer sich die Zeit nimmt, vom Hermannplatz bis nach Spandau sitzen zu bleiben, wird mit einem Feuerwerk der Farben und Muster belohnt.

Hier, im Südosten Berlins, in unserem Nachbarbezirk Neukölln ist sowieso tierisch was los. Das verwandelte der Berliner Illustrator Felix Scholz dann unter dem Motto „Großstadtdschungel“ in diese kreative Bahnhofsgestaltung. Anders als vielleicht das Motto, das für unseren Geschmack schon ein paar Mal zu oft bedient wurde, sorgen die Wildtiere auf den üblichen Stützpfeilern hier für erfreuliche optische Überraschungen beim Weg zur Arbeit.

Von hier aus sind es nur nur drei Stationen bis zum U-Bahnhof Hermannplatz. Diejenigen unter Ihnen, die wie wir große „Babylon Berlin“ - Fans sind, kennen diesen Anblick nur zu gut. 
Apropos Unterhaltung: Unerwähnt darf natürlich auch das Kultmusical „Linie 1“ nicht bleiben - schauen Sie doch mal wieder rein. 

Ach, wir könnten noch stundenlang so weitermachen. Es gibt einige Bahnhöfe, die in schönen Wandmalereien von der Geschichte des Viertels erzählen, wie etwa am Bayerischen Platz. Oder erinnern Sie sich noch an die Ausstellung „Mythos Germania“, die wir Ihnen ans Herz gelegt hatten? Zu finden am Bahnhof Gesundbrunnen. 

Sie sehen also: eine Fahrt mit der Berliner U-Bahn kann auch eine kulturelle Reise werden. Kann - muss natürlich nicht. Unsere beiden Heimatbahnhöfe Kottbusser Tor und Moritzplatz laden nun nicht gerade zum Verweilen ein. Aber dafür haben Sie ja uns direkt vor ihrer Stein-Glas-Beton-Nase.

TO BE CONTINUED...