“So, you got to let me know: should I stay or should I go?” – das scheint nicht nur The Clash in den Achtzigern beschäftigt zu haben, sondern wirkt auch wie das Motto des Berliner Spätsommers 2023. Dann wollen wir doch mal sehen, was es im September so Schönes zu entdecken gibt – ob in T-Shirt oder dicker Jacke, drinnen oder draußen.
Das Erste, woran so manche Bierliebhaberin im September denkt, ist ja regelmäßig: Zeit fürs Oktoberfest! Ein Paradoxon, das so manchen Berliner schon stutzig gemacht hat. Nichtsdestoweniger lässt sich auch die Hauptstadt in Sachen Wies´n nicht lumpen: das Onlineportal der Stadt, berlin.de, listet stolze vierzehn Oktob(a)erfeste zwischen 09. September und 28. Oktober, von Spandau bis Tempelhof. Ist Ihnen zu viel Trubel? Kein Problem. Wir haben ja auch gutes Bier.
Für die Theatermenschen unter uns bedeutet der September etwas anderes ganz Wunderbares: das Ende der Sommerpause! Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal im Maxim Gorki Theater? Der September bietet jedenfalls genügend spannende Spielplananlässe. In gorkitypischer Manier werden wir besonders angelockt durch die ungewöhnlichen Titel der Inszenierungen: „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“, „Eine Niere hat nichts mit Politik zu tun“ oder „Operation Mindfuck“. Okay, es läuft auch „Antigone“.
Nicht weniger interessant wird es durch den Titel „Stück des Jahres“, den die Fachzeitschrift Theater heute gerade „Bühnenbeschimpfung“ verliehen hat. Und was uns natürlich ganz besonders interessiert: „Berlin Oranienplatz“, eine Art Facelift für Döblins Berlin Alexanderplatz. Wer kommt mit?
Sollte Ihnen mehr der Sinn nach Verlängerung der mentalen Sommerpause stehen, könnte ein Besuch im Friedrichstadtpalast das Richtige sein. Weniger Integration, Inklusion und emotionale Intensität, mehr Glitzer, Tanz und Anmut. Am 21. September feiert die neue Produktion „Falling in love“ Premiere – wir freuen uns auf jeden Fall wieder auf die fantastische Bühnentechnik, einige der besten Tänzerinnen und Tänzer der Welt und umwerfende Kostüme. Hoffentlich aber nicht wortwörtlich. Sonst wird die Fluktuation im Ensemble vielleicht etwas hoch…
Zeit für eine kleine Pause? Finden wir auch! Wie praktisch, dass wir uns mitten in der ersten Coffee Week Berlin befinden! Röstereien und Cafés in der ganzen Stadt bieten Workshops, Cuppings (für alle Neukaffeegourmets: Kaffeeverkostungen) und Diskussionsrunden. Am besten zu genießen bei einer schönen Tasse Tee. Oder so.
Ein schöner Ort, um Kaffee zu trinken, befindet sich etwas versteckt in Steglitz. Hinter dem großen Einkaufszentrum Boulevard Berlin erstreckt sich der Harry-Breslau-Park. Während die Kids auf der großen Wiese toben und die Teens an den Outdoorfitnessgeräten trainieren, müssen wir uns nur noch für eines der Cafés hier entscheiden. Die wunderschöne hohe Glasfassade von innen bewundern oder doch Frischlust schnappen auf einer der Terrassen?
Der 14. September sollte für alle Liebhaber*innen der bildenden Kunst ganz dick im Kalender markiert werden: mit großer Einweihungsfeier öffnet ein neues Kunstmuseum für Berlin seine Pforten, das Fotografiska Berlin – The Contemporary Museum of Photography, Art and Culture. Die Tickets im Vorverkauf sind bereits vergriffen, aber es wird ein paar wenige Karten noch an der Tageskasse geben. Wir versuchen auf jeden Fall unser Glück! (© Foto: Fotografiska, Denisse Ariana Perez, Black Anatomy 2023)
Und last, but wie immer not least: nächste Woche ist wieder Art Week! Yes! Am Dienstag geht´s los und dann heißt es: Input, input, input. Wir empfehlen: gute Schuhe. Denn am besten entdecken lassen sich die vielen Ausstellungen bei einer der von Expert*innen geführten Touren durch die verschiedenen Kieze und ihre Galerien. Achso, und praktisch ist für die Brillentragenden unter Ihnen natürlich auch Ihre Brille. (© Foto: Clara Wenzel-Theiler)
Keine Brille und keine Schuhe brauchen Sie hingegen, wenn Sie sich mal wieder ausgiebig mit unserer Kunst beschäftigen: der Kunst der Gastfreundschaft.